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"Öffnen Sie die Schnüffelklappe", eine Fahrt im Holzvergaser-Auto im Jahr 1946

Der Kraftfahrer betrat das Wirtshaus, auf dem Rücken trug er einen Sack voll Tankholz, bestimmt zur schwelenden Verbrennung unter Luftabschluss. Es wäre leichtfertiger Umgang mit den Schätzen der Natur, die entrindeten Buchenwürfel draussen auf dem Wagen zu lassen - andere Verschweler hätten sie ohne Wimpernzucken mitgenommen.

Argwöhnisch seine neben der Garderobe abgelegte Tankfüllung im Auge behaltend, bestellte der späte Gast Kartoffelsuppe und Hagebuttentee, das einzige, was ohne Lebensmittelmarken zu haben war. Russflocken rieselten ihm vom Scheitel. Traurig und begehrlich zugleich musterte er den gut gewachsten Parkett-Boden. Mit diesem Stoff im Tank wäre er weiter gekommen.

Im Morgengrauen hatte der Reisende in Stuttgart seinen 2,3-Liter-Mercedes angekachelt, um nach Karlsruhe zu fahren. Eine um 40 Prozent verringerte Motorkraft und die bescheidene Reichweite von 60 Kilometern - danach musste wieder zu Würfeln gesägtes Baumholz in den Gasgenerator nachgelegt werden - hatten ihn veranlasst, früh aufzustehen. Nun, bei Pforzheim, stand die Schnüffelklappe still. Was war falsch gelaufen?

Vorschriftsmässig hatte er die gewachste Lunte angezündet, durchs Zündloch geschoben und die Holzkohle im Herd entflammt. Weil es kalt war, hatte er auch nicht mit petroleumgetränkter Holzwolle gegeizt. Auf fachmännische Weisung hin war er so oft wie möglich über Schlaglöcher gerollt, um seinen Meiler gut durchzurütteln - denn nur so liess sich das von allen Generatorgas-Fahrern gefürchtete Hohlbrennen verhindern.

Der Maschinist hatte guten Gewissens das Seine getan. Er hatte den Fahrfusshebel im Gefälle nur halb durchgetreten, um den Unterdruck nicht im Gleichgewicht zu stören. Vor der Steigung hatte er das Anfachgebläse schnurren lassen, um die Gasproduktion zu aktivieren. Aber trotz Vor- und Feinfilterung, Prallblechen, Asche-, Russ- und Teerabscheidern, schien
eine Gasader versulzt zu sein. War etwa ein Würfel Eiche oder Lärche in den Kessel geraten und daher der Teer in der Glutzone nicht vercrackt? War das Holz wieder einmal, wie so oft, zu feucht?

Notgedrungen mußte er den Fülldeckel öffnen, zum Schürhaken greifen und im "Badeofen" stochern. Es war nicht sein Verschulden, daß er dabei ein hochgespanntes Gasnest anstach. Die Verpuffung verdunkelte seine Züge. Asche kam über sein Haupt.

Feste Kraftstoffe, so stand geschrieben, machen unabhängig. Was sie mit ihren Benutzern machten, sah jeder selbst. Schon 1938 hatte sich der Kraftverkehr auf den Holzweg begeben. Erst 1950 ließen die Letzten von Buchenklötzchen, von Kohle, Koks und Anthrazit.

Holz war leichter abzubauen, die Säge und eine Axt im Kofferraum genügte. Hätte man Zeit und Holz zuhauf gehabt, so würde man es vor der Verschwelung sorgfältig trocknen. Aber frisch geschlagenes Holz war zu feucht für den Gasbetrieb, Grund für so manchen Ausfall. "In diesem Fall", so verkündete die Betriebsanweisung, "müssen Sie meilern." Die Prozedur war so beschrieben: "öffnen Sie die Schnüffelklappe, klemmen Sie ein Stück Holz darunter, damit Luft ungehindert durchströmen kann. Dann neuen Kraftstoff auffüllen. 30-40 Minuten bei geöffnetem Deckel warten, sodass die Feuchtigkeit entweichen kann. Deckel schliessen und wie gewöhnlich anfachen und starten." Gleichwohl war der Start misslungen, der Unterdruck zu hoch und die Reduktionszone verstopft.

Rüttelsieb betätigt, Russ entfernt und neuerlich angefacht, vom Gefälle beschleunigt, war der Mercedes mühsam weitergeröchelt - bis die Verschwelung wieder ein vorzeitiges Ende fand. Der Kesselputzer fuhr schließlich mit der Bahn nach Karlsruhe. Für ihn war wieder mal der
Ofen aus.
































 


 


 


 


 


 


 


 





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